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Wahrheiten und Irrtümer eines modernen Mythos

Gerd Koenen, Deutscher Historiker und Autor des Bestsellers Buch über Che Guevara

Gespräch geführt von: Milan Starcevic

 

In Ihrem Buch „Traumpfade der Weltrevolution – Das Guevara-Projekt“ zerstören Sie den Mythos Che Guevaras, der in Lateinamerika und auch in anderen Kontinenten als Superstar gesehen wird. Er ist Ikone und Vorbild jugendlichen Rebellengeistes. Weshalb wollen Sie den Menschen einen anderen Guevara zeigen?

Das Hauptziel meines Buches ist es nicht, den „Che-Mythos“ zu zerstören, sondern die reale Figur des Ernesto Guevara in ihrem historischen Umfeld zu beschreiben. Ich nehme ihn insofern ernster, als es vielen seiner Verehrer/innen vielleicht lieb ist. Allerdings behaupte ich, dass „mein“ Guevara viel interessanter und vielschichtiger ist als diese banale Pop-Ikone auf den T-Shirts.

Mein Buch ist aber keine bloße Biographie, davon gibt es ja zwei Dutzend. Sondern es beschäftigt sich mit dem „Guevara-Projekt“, also dem Vorhaben einer „kontinentalen“ oder sogar „interkontinentalen“ Weltrevolution gegen den vermeintlichen Weltfeind Nr. 1, den US-Imperialismus. Das beginnt mit der kubanischen Revolution 1958 und fällt dann weithin zusammen mit den lateinamerikanischen und afrikanischen Guerilla-Epen der sechziger und siebziger Jahre, parallel zum Krieg in Indochina. Zusammengenommen ist das ein zentraler Teil der Geschichte des 20. Jahrhunderts.

 

Wie erklären Sie sich Guevaras heutigen Status als Kultfigur und erfolgreichen Revolutionär?

Eine Kultfigur war er schon zu Lebzeiten, und erst recht nach seinem gewaltsamen Tod in Bolivien 1967. Damals tauchten schon diese Che-Ikonen an den Wänden der Studentenzimmer in vielen Ländern der Welt auf. Guevara war halt selbst ein Intellektueller, der schon zu Lebzeiten seine Guerilla-Abenteuer in literarischer Form beschrieb, der theoretische Texte und Gedichte verfasste, und der andererseits – an der Seite Fidel Castros – als ein revolutionärer Tatmensch erschien, fast wie eine Renaissance-Figur. Das hatte auch einen ungeheuren Sex-Appeal für die großen kapitalistischen Medien. So war Guevara zu Lebzeiten schon einer der meistfotografierten Menschen seines Zeitalters. Zu einer Ikone des 20. Jahrhunderts wurde er dann posthum durch die Bilder des Toten, den eine christusgleiche Aura umgab, so als wäre da einer „für die Sünden der Welt kämpfend gestorben“. Das war eine christlich eingefärbte Revolutionsromantik, die vor allem auf die jugendlichen Radikalen in der Dritten Welt und die Neuen Linken in den westlichen Ländern wirkte – so auch auf mich damals 1967. Die Realität seines Lebens und Wirkens sah allerdings, näher betrachtet, viel unromantischer, viel melancholischer aus.

Melancholisch ist übrigens auch der zweite biographische rote Faden, der in meine Erzählung eingewebt ist, nämlich das kurze Leben der Tamara Bunke, die aus dem argentinischen Exil 1952 mit ihren kommunistischen Eltern nach Ost-Berlin zurückgekehrt war und 1961 nach Kuba ging, wo sie zu einer Doppelagentin für die Guevara-Operation in Bolivien ausgebildet wurde. Nachdem sie sich (befehlswidrig) der Guerilla angeschlossen hatte, ist sie vier Wochen vor Che bei einem Gefecht im bolivianischen Urwald gefallen. Ihre 1998 gefundenen Überreste liegen heute im Mausoleum zur Rechten des Che, während sie als „Tania la Guerillera“ zu einer Märchenfigur in kubanischen Kindergärten geworden ist.

 

Welche Rolle spielte Fidel Castro und in welchem Verhältnis haben die beiden zueinander gestanden?

Ohne Castro kein Che. Als Weltenbummler ohne bestimmtes Ziel (ein etwas weniger begabter Bruce Chatwin) hätte Guevara sich ja nicht träumen lassen, dass die kleine Gruppe oppositioneller Kubaner, die er in Mexico halb zufällig kennenlernte und der er sich als Arzt angeschlossen hatte, drei Jahre später als Sieger aus ihren Verstecken in der Sierra Maestra kommen würden. Noch weniger hätte er sich vorstellen können, dass er selbst, dem seine Kumpels den Spitznamen „Che“ (was so was heißt wie: „Hey“, also „Hey Guevara“) gegeben hatten, als einer von Castros Kommandanten mit seiner Hundertschaft halbwüchsiger Kämpfer als erster nach Havanna hineinfahren würde. Die zehnfach stärkere Batista-Armee hatte halb gemeutert und halb kapituliert, ohne freilich zu wissen, was sie erwartete.

Guevara, der sich in Mexico zum Selfmade-Kommunisten erklärt hatte, bildete den linken Flügel des neuen Regimes. Noch ging es ja offiziell gar nicht um Sozialismus, sondern um Demokratie und Unabhängigkeit. Die sozialistische Wendung kam erst 1961 mit dem sich verschärfenden Gegensatz zu den USA. Als erster Chef der Revolutionstribunale, als Initiator einer neuen Armee und eines neuen Geheimdienstes, Chef der Zentralbank, Organisator der Landwirtschaft, Unterhändler mit den Sowjets über geheime Rüstungshilfe (inclusive dann der atomaren Raketen 1962) hatte Guevara anfangs allerdings eine sehr prominente Stellung.  Das Problem war, dass er für die Sowjets ein Schwarmgeist war, kein Parteikommunist – und dass er sich im Laufe der Zeit auch zu einem wirklichen linksradikalen Häretiker (mit Sympathien für China und vor allem Nordkorea) entwickelte, und zugleich zu einem Dogmatiker des Guerillakriegs, der gleichfalls nicht der Linie der sowjetischen Weltpolitik entsprach.

Deshalb trennten sich 1964 offiziell die Wege des Realpolitikers Castro und des Schwarmgeistes Guevara – allerdings in gegenseitiger Bewunderung. Guevara verschwand spurlos, ging 1965 insgeheim mit Hundert schwarzen Kubanern in den tiefen Kongo, und Ende 1966 dann mit einer kleinen Truppe seiner engsten Getreuen nach Bolivien. Castro unterstützte ihn, aber ließ ihn letztlich seinen eigenen, größenwahnsinnigen Kleinkrieg zur Entfesselung von „zwei, drei Vietnam“ führen. Und Castro riskierte auch nicht, seinen Freund aus Bolivien herauszuholen, als der schon eingekreist war. Als Che dann tot war, erhob er ihn vor einer Million Menschen in einer stundenlangen Ruhmesrede zum Heiligen der eigenen Revolution und zum Vorbild aller künftigen Generationen junger Kubaner und Lateinamerikaner.

 

Jacobo Machover, ein Exilkubaner und Schriftsteller, beschreibt Che als gnadenlosen Henker, Schlächter der Cabaña, der Tausende Menschen in den Tod trieb.

Der Hass der Exilkubaner gegen das scheinbar endlos dauernde Regime der Castro-Brüder ist sehr verständlich, aber leider auch mit ein Grund dafür, warum die Castros sich so lange halten können. Sie leben ja längst von der angeblichen „Blockade“ der USA und ihrer Landleute in Miami. Jede wirkliche Öffnung würde sie über Nacht wegschwemmen.

Was Guevaras frühe Rolle als den Herrn der Revolutionstribunale betrifft, ist daran nichts zu beschönigen, aber manches zu relativieren. Es werden vielleicht dreihundert Todesurteile gewesen sein, die er abgezeichnet hat. Insgesamt sind im ersten Revolutionsjahr etwa tausend Gegner des neuen Regimes erschossen worden. Blutiger waren später die Kämpfe und Strafgerichte gegen aufständische Bauern und ehemalige Verbündete, die von den USA unterstützt wurden, vor allem 1963/64 in den Escambray-Bergen.

Alles in allem dürften etwa 5000 Menschen vom Castro-Regime an die Wand gestellt worden sein. Das ist im Verhältnis zur Einwohnerzahl Kubas ziemlich viel, mit dem Terror in der stalinistischen Sowjetunion oder im maoistischen China aber nicht zu vergleichen – eher schon mit dem Jugoslawien Titos am Ende des Weltkriegs! Man verurteilte und exekutierte wirkliche Schergen und Henker des alten Regimes, das sich mit wilden, blutigen Exzessen besudelt hatte; aber zugleich beseitigte man auch schon reale oder vermutete Gegner. Ab Mitte der sechziger Jahre gab es noch einen kleinen tropischen Gulag in Kuba und harsche Repressionen; aber es gab keinen blutigen Terror mehr, jedenfalls nach lateinamerikanischen Standards.

 

War Che wirklich Kommunist, waren Lenin, Stalin oder Mao seine Vorbilder?

Ursprünglich war er als Argentinier ein radikaler Latino-Fundamentalist und Yankee-Hasser gewesen, der die nationalistische Diktatur des Obersten Peroń gegenüber seinen viel linkeren Eltern verteidigt hatte. Ab circa 1955 bezeichnete er sich dann Kommunist und Marxist-Leninist, aber das war mehr ein radikaler Gestus oder ein Kostüm. Als kubanischer Commandante war er weder den Sowjets noch der KP Chinas geheuer, die ihn beide wahrscheinlich als eine Art neuen Trotzki sahen. Tatsächlich bastelte er vor seinem Tod am theoretischen Modell eines Marxismus-Guevarismus. Aber vor die Wahl gestellt, als revolutionärer Theoretiker im Bett oder als kämpfender Guerillero im Dschungel zu leben und zu sterben, wählte er das letztere.

 

Wie sieht sein Erbe im heutigen Kuba aus?

Ein „Erbe“ gibt es nur, insofern er derjenige war, der das Land am frühesten und am radikalsten in die Sackgasse einer Total-Kollektivierung getrieben hat, aus der Kuba bis heute nicht herausgefunden hat. Aber die eigentlich Verantwortlichen für das lange stagnante Dahindämmern dieses wunderbaren Landes sind die Brüder Castro als eine Art politischer Super-Großgrundbesitzer. Das Bild des toten Che dient ihnen nur noch als leeres Idol, so wie noch jeder lateinamerikanische Diktator seinen Hausheiligen gehabt hat.

 

Es gibt Stimmen, die sagen, Guevara sei zur Inspiration für Terroristen in aller Welt geworden. Das Palästinensische Kommando, das 1977 die Lufthansa-Maschine „Landshut“ entführte, um die RAF-Gefangenen freizupressen, trug T-Shirts mit seinem Bildnis.

Ja, das waren linksradikale, übrigens christliche Palästinenser. Heute hat man es im Nahen Osten mit ganz anderen Leuten zu tun – die einem militanten Gottlosen wie Guevara gleich mal die Kehle durchgeschnitten hätten.

Man muss präzise sein: Der Guerillakrieg, den Che damals propagierte und in der Sierra Maestra praktizierte, konnte gezielten Terror gegen vermutete Agenten oder Informanten des Feindes, damals des Batista-Regimes, beinhalten. Auch gegenüber den eigenen Rekruten wurde insoweit Terror geübt, als alle Disziplinlosigkeiten und Übergriffe, alle Meutereien oder Desertionen mit dem Tod bestraft werden konnten. Allerdings war es doch eher eine eiserne Disziplin, die so hergestellt wurde, kein umfassendes Schreckensregime, wie wir es heute von marodierenden Freischärlern, etwa im Kongo oder Westafrika, oder von islamistischen Gotteskriegern in Algerien, im Irak oder in Afghanistan kennen.

In Afrika war Che fast verzweifelt bemüht, seine kongolesischen Verbündeten von einem wahllosen Terror gegen die Zivilbevölkerung abzuhalten, die sie doch eigentlich gewinnen sollten. In Bolivien haben er und seine Guerilla auf jeden Terror verzichtet – und sind in fast stoisch anmutender Weise in ihren absehbaren Tod gegangen. Es ist dieser sinnlose Todesmarsch ins sichere Verderben, angeblich für die „Befreiung der Unterdrückten“, die dem Che – das darf man nicht verkennen – einen Platz im latino-amerikanischen Mythenhimmel gesichert hat, so wie einem Simon Bolívar oder einem Salvador Allende. Mit den globalen Pop-Kulten um Che ist das nicht verwechseln.

 

Geopolitika“, Januar 2011.